Theater

Supernerds

Die Theatervorstellung "Supernerds" im Schaupielhaus Köln ist ungewöhnlich und macht nachdenklich. Es beginnt schon damit, dass alle Theaterbesuchenden gebeten werden, ihr Handy anzulassen und sich mit dem Supernerd-WLAN zu verbinden. Dann klingelt ständig das Handy, aber das sind keine Störungen, sondern gehört zum Theater. Ich habe z.B. einen Anruf von Julian Assange aus London erhalten. Assange spielt auch mit, aber nur als Hologram.

Vor dem Besuch des Theaterstücks war mir gar nicht die Tragik bewusst, das die deutsche Sprache kein Wort für das äußerst moralische Phänomen des "Whistleblowing" hat. Dabei ist dieses Phänomen eine moderne Form ethischer Skrupel. Und das damit angesprochene Thema, welches sich zwischen Freiheit und Verdammung bewegt, ist äußerst prekär. Immerhin sind die vermeindlich "Verratenen" sich bei weitem keiner Schuld bewusst, ganz im Gegenteil!

So wühlt das Theaterstück innerlich auf. Hinzu kommen die dokumentarischen und aufklärenden Episoden, in denen die modernen Überwachungsmöglichkeiten vorgeführt werden. Und selbst das Ausschalten der Geräte erscheint als Wirkungslos.

Der nackte Wahnsinn im Kölner Schauspielhaus

Für mich lebt Theater oft aus dem Augenblick. Hier gibt es keine Repeat-Tasten, keine Wiederholungen und Schnappschüsse als Souveniers. Um so schöner ist es dann, wenn diese Augenblicklichkeit nicht nur das Stück, sondern auch den Abend und die Umgebung erfüllt. Theaterstücke können derart überschwappen, so dass die Grenzen zwischen Improvisation und Aufführung, zwischen Bühne und Publikum verschwimmen. Bei der gestrigen Aufführung von ¨Der nackte Wahnsinn¨ im Kölner Schauspielhaus -- welches ja zur Zeit im Schanzenviertel überwintert -- fügten sich diese Facetten zu einem sehr schönen Gesamtgefüge zusammen.

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