Kopenhagen

Tivoli und Phantasialand:Kann man das vergleichen?

In der letzten Woche war ich das erste Mal im Kopenhagener Tivoli. Sally O'Brian (die bereits erwähnte Autorin meines Reiseführers) beschreibt ihn als "entertainment park" und da liegt ein Vergleich mit dem mir bestens vertrauten Phantasialand natürlich nahe. Ich konnte beinahe keine Attraktion besuchen, ohne sie nachträglich in Phantasialand-Kategorien einzuordnen: So ist etwa "Minen" (Attraktion M im Tivoli-Plan) eine Mischung aus Hollywood-Tour und Silbermine. Aber je länger ich im Tivoli war -- man sollte sich schon ein paar Stunden Zeit nehmen -- desto mehr begann ich zu zweifeln, ob man diese beiden Parks überhaupt vergleichen kann? Die Dänen werden diesen Blog-Eintrages wahrscheinlich schon wegen des Titels indizieren. Den Tivoli gibt es in Kopenhagen nämlich seit 1843 und er ist ein unvergleichbares Nationalsymbol.

Sören Kierkegaard in Gilleleje

Im Norden der dänischen Insel Seeland liegt der Ort Gilleleje, der so bekannt ist, dass ihn Sally O'Brien -- Autorin des Lonly-Planet-Reiseführers für Copenhagen -- nicht einmal im Stichwortverzeichnis erwähnt. Dafür aber Hornbæk, das nur einige Kilometer weiter östlich liegt und einen sehr langen Küstenstreifen mit den angeblich besten Ständen der Nordküste besitzt. Also Gilleleje ist für O'Brien keinen Ausflug ab Kopenhagen wert und daran merkt man, dass Sie keine besondere Kierkegaard-Liebhaberin ist. Dafür gibt es im SKC aber umso mehr davon und das ist Grund genug für einen Ausflug nach Gilleleje.

In Gilleleje hat Kierkegaard eine der meistzitierten Stellen aus seinen Tagebüchern verfasst. Heute ist keine Einführung in die Existenzphilosophie mehr denkbar, ohne die folgenden -- im übrigen retorischen -- Fragen des gerade mal 22-Jährigen zu erwähnen:

"Es kommt darauf an, meine Bestimmung zu verstehen, zu sehen, was die Gottheit eigentlich will, daß ich tun solle; es gilt eine Wahrheit zu finden, die Wahrheit für mich ist, die Idee zu finden, für die ich leben und sterben will."

Drei Wochen SKC....

Drei Wochen bin ich nun schon hier am SKC, Zeit für einen Zwischenbericht. Was man hier eigentlich den ganzen Tag macht ist: schreiben. Einige Schreibtische für die Gäste und Gastforscher stehen, wie ich schon mal erwähnte, in der Kierkegaard-Bibliothek. Am dritten Schreibtisch sitze ich und zur Zeit ist außerdem noch eine argentinische Philosophin hier. In der Bibliothek ist gewissermaßen auch der beste Platz zum arbeiten, denn alle Bücher stehen nur wenige Schritte entfernt und man kann sie auf seinem Schreibtisch stapeln. Die Atmosphäre hier ist sehr gut zum arbeiten. In den letzten Wochen habe ich mehr Seiten geschrieben, als ich vor meiner Anreise gedacht hätte. Ich bin wirklich überrascht, wie zügig wissenschaftliches Arbeiten sein kann, wenn keine anderweitigen Termine, Arbeitstreffen oder ähnliches am Tag anstehen und die Literatur griffbereit vor Ort ist. So komme ich mittlerweile denn auch thematisch in meiner Arbeit an die Grenzen der Kierkegaard-Bibliothek, denn die deckt eben nur den einen Autor ab.

Zimmer mit Balkon

Seit gestern bin ich wieder in Kopenhagen, der zweite Teil meines Aufenthaltes am Søren-Kierkegaard-Forschungszentrum beginnt. Nach einem anstrengenden und eindrucksreichen Anreisetage sitze ich heute in einer Bagel-Bar und werde gleich den Turm der Marmorkirke (aka. Frederikskirken) besteigen.

Die Anreise begann damit, dass am Check-In mein Gepäck angeblich zu schwer sei: um 9 kg. Nach einem klärenden Gespräch und dem Nachweis meiner genauen Aufenthaltsdauer stellte sich heraus, dass ich ein Kilo weniger gepackt hatte als ich hätte können. Für die Fluggesellschaft also weiter kein Probelm, aber für meine Reisetasche! Die wirkte nämlich bereits in Deutschland ziemlich überladen. Entgegen schlimmerer Befürchtungen meisterte sie den Flug -- aber nicht die weitere Reise.

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